Enter your keyword

Geständnisse einer Erotik-Autorin: Ich schreibe unter einem Pseudonym

Geständnisse einer Erotik-Autorin: Ich schreibe unter einem Pseudonym

Dieser Text über’s Pseudonym ist zuerst bei Mimi&Käthe erschienen.

„Oh, Julie, meine alte Freundin, auf Facebook?“, denke ich mir und füge sie mit meinem Autorenprofil hinzu. Wenig später antwortet sie mir: „Kennt man sich?“ Nach ein paar Zeilen, in denen ich ihr erkläre, dass ich seit einiger Zeit als Autorin über Sexthemen schreibe, kommt ihre Frage, die mich seitdem tief beschäftigt hat: „Und warum eigentlich ein Pseudonym?“ Ja, warum eigentlich?

Ich habe ein Pseudonym, hinter dem ich meine schmutzigen Texte verstecke

Dieser Text wird keine Rechtfertigung, sondern ein Zugeständnis. Seelenstriptease, wenn man so möchte. Ich habe ein Pseudonym, hinter dem ich meine schmutzigen Texte verstecke. Ich traue mich – noch – nicht, meinen realen Namen offenzulegen. Um meinen „Künstlernamen“ wissen nur wenige Menschen. Freunde und Bekannte, mit denen ich ungeniert über alltägliche Winzigkeiten und Erotik spreche, zum Beispiel.

Überall stoße ich auf verklemmte, gehemmte Menschen, die nicht verstehen, warum ich ich über Erotik schreibe – ja, warum ich es überhaupt wage, mich mit Sexthemen zu beschäftigen, ich schmuddeliges Flittchen! Manchmal möchte ich ihnen sagen, was ich wirklich tue, was alles dazu gehört und dass mein Interesse an Sexthemen keineswegs verwerflich ist. Sie müssten dem nur ein klitzekleines bisschen offener gegenüberstehen. Aber alles Erklären bringt nichts. Engstirnige Menschen haben oft festgefahrene Meinungen, an denen Außenstehende nicht viel ändern können. Das enttäuscht mich. Was ist los mit dieser Gesellschaft, die trotz aller angeblichen Offenheit in einer sex-unfreundlichen Zeit stecken geblieben ist?

Mein Künstlername bietet mir eine Möglichkeit der künstlerischen Befreiung: Schreiben, was ich möchte, ohne, dass man mich persönlich damit in Verbindung setzt. Trotzdem habe ich keinerlei Schwierigkeiten, im echten Leben ungehemmt über mein Pseudonym, über mein großes Hobby, Sexspielzeug zu sammeln oder über Themen, die mich beschäftigen, zu sprechen. Die Voraussetzung: Ich muss mich bei meinem Gesprächspartner wohl fühlen. In einer sexoffenen Welt kann ich diejenige sein, die ich sein möchte. Ein bisschen mehr Nova, ein bisschen weniger Befangenheit.

Ist einer der Gründe für mein Pseudonym die Angst vor Ablehnung? Vielleicht. Unter anderem. Doch es war vor allem die Angst vor der Zukunft, die mich davon abhielt, offen zuzugeben, dass ich Erotik-Literatur schreibe. „Ich bin so jung, was noch alles kommen könnte, vielleicht verbaue ich mir etwas …“ Quatsch, Quatsch, Quatsch. Ich habe inzwischen festgestellt, dass diese Angst in meinem Fall unbegründet ist. Denn ich sehe meine Zukunft in der Welt der erotischen Literatur. Würde ich eine Karriere in meinem traditionellen, konservativeren Berufszweig anstreben, wäre meine Angst, durch meine Arbeit als Erotik-Autorin durchs Job-Raster zu fallen, legitim. So jedoch ist sie – für mich – Blödsinn. Ich verbaue mir nichts. In dieser kreativen Welt, in der ich mich bewege, ist ohnehin nichts festgenagelt, und das ist auch gut so. Wir leben im 21. Jahrhundert, im Jetzt – und so dürfen wir uns auch verhalten.

Sex ist kein Tabuthema mehr.

Sex ist kein Tabuthema mehr. Nichts, bei dem wir wegsehen sollten und auch nichts, für das wir irgendjemanden verurteilen dürfen. Niemanden, der seine Berufung in diesem Feld sieht: Nicht die Sexarbeiter, Darstellerinnen und Darsteller, Pornoregisseure, Sex-Literaten und auch nicht die Interessierten. Erotik ist ein großes Thema, facettenreich und bunt. Warum sollten wir uns das zunichtemachen lassen von ungerechtfertigten Kommentaren irgendwelcher Ober-Spießer?

Ich weiß, dass ich mich nicht ewig hinter der Maske meines Pseudonyms verstecken kann, und das möchte ich auch nicht. Ich weiß, der Tag, an dem meinen wirklichen Namen offenbare, nähert sich. Je näher ich diesem Tag komme, desto mehr verliere ich die Angst davor, dass ich damit einen Fehler machen könnte.

Und wenn ich ehrlich bin: Ich fürchte nicht den Moment, in dem ich meiner Mami erzählen werde, dass ich Textpornos produziere. Ich fürchte ausschließlich den Moment, in dem sich das verkrampfte Gesicht der verständnislosen Gesellschaft zeigt. Denn das tut weh – auch, nein, gerade im Herzen einer sex-positiven, offen-ehrlichen Autorin.

Related Posts

No Comments

Leave a Comment

Du musst mindestens 18 Jahre alt sein, um diese Website zu besuchen.

Bitte gib dein Geburtsdatum ein.

- -